Adresse
Arab Business Center
Steiermärker Str. 3-5
70469 Stuttgart

Postanschrift:
Arab Business Center
Postfach 60 03 51
70303 Stuttgart
Tel.: +49 (0)711-2207812 - Fax: +49 (0)711-2207813
info@arab-business-center.info
Ansprechspartner
Dipl.-Ing. Tarak Mtibaa
Öffnungszeiten
Mo-Fr: 9 – 18 Uhr

Geschichte

Die ursprünglichen Einwohner des heutigen Staatsgebietes von Marokko, von den Römern Berber genannt, sahen sich im Laufe der Jahrhunderte mit Invasionen von Phöniziern, Karthagern, Römern, Vandalen und – seit dem Ende des 7. Jahrhunderts – von Arabern konfrontiert. Das früh islamisierte Land gehörte in der Folge niemals zum osmanischen Reich und behielt – unterbrochen von 44 Jahren französischer Protektoratsherrschaft (1912 – 56) – bis heute seine Unabhängigkeit.

Die marokkanische Geschichte wird von den jeweils Macht habenden Dynastien, die teilweise berberischen, teilweise arabischen Ursprungs sind, gestaltet. Den Idrissiden folgten die Almoraviden (1052-1147), auf die Almohaden (1178-1213) folgten die Meriniden (1259-1540) und Saadier (1587-1660). Seit 1660 ist die heute regierende arabische Dynastie der Alawiten an der Macht. Am 23.07.1999 folgte nach dem Tod des 38 Jahre regierenden Königs Hassan II. sein ältester Sohn als König Mohammed VI. (geb. 21.08.63) auf den Alawiten-Thron.

Die Westsahara-Frage

Der Internationale Gerichtshof stellte in einem Gutachten vom 16.10.1975 zwar vor-koloniale Bindungen zwischen einzelnen Stämmen der Westsahara und den marokkanischen Sultanen fest. Laut Internationalem Gerichtshof begründeten diese Bindungen jedoch keine territoriale Souveränität Marokkos über das Gebiet der Westsahara.

Marokko nahm das Gebiet 1975 durch den “Grünen Marsch” in Besitz. 1981 erklärte sich König Hassan II. bereit, einer Volksabstimmung der Westsahara-Bevölkerung unter der Ägide der Vereinten Nationen zuzustimmen. Der damalige Generalsekretär der Vereinten Nationen Pérez de Cuéllar erarbeitete einen Friedensplan für die Durchführung eines Referendums. Nachdem Marokko und die Frente Polisario den Plan im August 1988 akzeptiert hatten, trat 1991 ein seitdem eingehaltener Waffenstillstand in Kraft. Zugleich nahmen Einheiten der UN-Beobachtermission MINURSO ihre Tätigkeit in der Westsahara auf. Der Prozess der Identifizierung von Wahlberechtigten gestaltete sich äußerst kompliziert.

Im Juni 2001 hatte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen den Vorschlag des Generalsekretärs und seines Sondergesandten für die Westsahara, James Baker, unterstützt, Polisario, Marokko, Algerien und Mauretanien sollten ein Rahmenabkommen verhandeln, das eine weitgehende innere Autonomie bei gleichzeitiger Außenvertretung der Westsahara durch Marokko vorsah. Am Ende einer Übergangsperiode sollte die ansässige Wohnbevölkerung der Westsahara über den endgültigen Status entscheiden. Diese Vorschläge lehnten Polisario und Algerien ab.

Im einem Bericht (S/2002/178) hatte der Generalsekretär der Vereinten Nationen das Scheitern der bisherigen Lösungssuche im Rahmen der Vereinten Nationen konstatiert und unterstrichen, dass laut Baker eine Lösung des Konfliktes durch die Umsetzung des ursprünglichen Plans (Referendum) “sehr unwahrscheinlich” sei. Als Optionen listete der Bericht auf: 1.) Referendum über den Status des umstrittenen Gebietes; 2.) Autonomie unter marokkanischer Souveränität; 3.) Teilung des Gebietes in Ost-West-Richtung; 4.) Beendigung der Mission MINURSO. Der Sonderbeauftragte Baker stellte den Konfliktparteien Anfang 2003 einen neuen Plan zur politischen Lösung des Konfliktes vor. In einem Bericht vom 23.05.03 bezeichnete der VN-Generalsekretär den neuen Baker-Plan als “fünfte Option”. Der Plan gründet auf Autonomie des umstrittenen Gebietes (Bildung einer Western Sahara Authority) unter marokkanischer Souveränität bei Abstimmung über den Endstatus innerhalb von 5 Jahren. Der neue Plan verknüpft die Anliegen beider Konfliktparteien: einerseits zunächst Autonomie in Marokko, andererseits am Ende der Übergangsphase Polisario-gefordertes ergebnisoffenes Referendum. Marokko befürchtet allerdings, eine Selbstverwaltung der Westsahara unter Führung der Polisario könne eine Eigendynamik entfalten, die einem abschließenden Volksentscheid von vornherein die Richtung auf Selbständigkeit des Territorium weist. Marokko ist nur bereit, eine Lösung zu akzeptieren, die einen Verbleib der Westsahara im marokkanischen Staatsverband sicher stellt. Den Baker-Plan in seiner jetzigen Form lehnt es ab.

Das Engagement Deutschlands für eine den Interessen aller Beteiligter gerecht werdende Lösung des Konflikts hat sich unter anderem in einer Entsendung von MINURSO-Personal Mitte der neunziger Jahre und in einer Vermittlungsaktion zur Freilassung der letzten in Marokko inhaftierten Polisariokämpfer 1996 niedergeschlagen.

Derzeit sind noch 514 marokkanische Soldaten, viele davon seit über zwanzig Jahren, Gefangene der Polisario. Es sind die am längsten Inhaftierten nach einem militärischen Konflikt. Die Polisario macht eine Freilassung von einer abschließenden Gesamtregelung abhängig. Auf spanische, deutsche und libysche Vermittlung kamen 2002 und 2003 mehrere hundert Gefangene frei. Die Bemühungen um die Freilassung der verbleibenden, völkerrechtswidrig festgehaltenen marokkanischen Soldaten halten an.